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Lakewood Story

 

Lakewood und was dahinter steckt

Ich suchte mit dem Finger die Landkarte ab und alles, was sympathisch klang, notierte ich mir. So teilten sich Städte, Berge und Flüsse ein paar Seiten Papier, auf denen ich Sie vorübergehend zusammen geschrieben hatte.

Es ist jetzt über 16 Jahre her und ich hatte schon einige Zeit als Gitarrenbauer hinter mir, als ich endlich begriff, daß die Stahlsaitengitarre meine Berufung sein würde. Ich suchte nach einem Namen für das "Kind" und als ich mit all dem, was ich mir aus Atlanten heraus geschrieben hatte, meine Umgebung nervte, so ging es darum, schließlich etwas zu finden, was richtig gut nach Westerngitarre klingt und auch Amerikaner oder Japaner nicht gleich vor sprachliche Probleme stellt.

Also "Lakewood"! Eine Stadt bei Cleveland am Eriesee in den USA. Wahrscheinlich wissen die immer noch nicht, wie ich auf den Namen gekommen bin; ich bin aber sicher, daß selbst dort mittlerweile ein paar Lakewood-Gitarren zu finden sind.

Meine Zeit als Gitarrenbauer begann 1979. Zur Enttäuschung meiner Eltern wurde ich nicht Jurist oder Ingenieur. Nachdem ich schon in der Pfadfinderzeit Gitarre gespielt hatte, infizierte mich ein Musikgeschäft in Kassel, der "Folksmusikladen". Der Inhaber, Fred Starkowski, ist mir seitdem freundschaftlich verbunden.
Im Folksmusikladen lernte ich parallel zu meiner Zivildienstzeit viel über Gitarren und endlich auch denjenigen kennen, bei dem ich von 1981 bis 1983 meine Ausbildung als Zupfinstrumentenmacher machen sollte.

Nächste Station also: Manfred Pletz Gitarrenbau in Taunusstein-Bleidenstadt. Rückblickend würde ich sagen, daß ich dort zum ersten Mal richtig gelernt habe, zu arbeiten. Ich meine damit das andauernde anstrengende Arbeiten, ohne die Möglichkeit, sich nach kurzer Zeit wieder mal ein Päuschen zu gönnen.
Wir waren ein kleines "Team". Meister Pletz und zwei Lehrlinge (die hießen damals noch so) und wir stellten jeden Monat zwischen 40-60 Gitarren her. Der Betrieb war spezialisiert auf klassische Konzertgitarren, aber mitunter wurde auch "querbeet" gebaut was eben bestellt wurde. Also wechselte sich die Konzertgitarre mit der Fidel, der Mandoline, Westerngitarre oder der irischen Harfe ab. Die Vielfalt in der Arbeit und das konzentrierte Zusammenwirken in einem kleinen Team habe mein späteres Berufsleben sehr geprägt. Ohne Manfred Pletz wäre sicher alles anders gekommen. Zum Beispiel würden Sie jetzt gerade nicht diese Web-Seiten lesen!
Nach meiner Gesellenprüfung ging ich nach Giessen und eröffnete recht bald ein kleines Gitarrengeschäft, in dem ich (infiziert durch den Folksmusikladen) Gitarren verkaufte, aber auch Reparaturen an Saiteninstrumenten ausführte. Aber wie das in Deutschland so ist: Um Gitarren bauen zu dürfen, braucht man eben einen Meistertitel. Im Oktober 1984 war es soweit: Ich absolvierte meine Meisterprüfung und fühlte aber noch garnicht entsprechend. Das Lernen ging eben weiter...

Ein weiterer Schritt bestand dann darin, mich ganz auf die Herstellung von Gitarren zu konzentrieren. Ich fand jemanden, der mein Einzelhandelsgeschäft weiterführen wollte, verkaufte ihm alles und bezog größere Werkstatträume, da die Nebenräume des Ladens schon lange zu klein geworden waren. Die ersten Mitarbeiter und Auszubildenden, die erste Frankfurter Musikmesse und allmählich begriff ich, daß es ein langer beschwerlicher Weg sein würde, meine Gitarren für Musiker begehrlich zu machen. Kein Weg zurück; es ging nur vorwärts und mit jeder neuen Musikmesse kamen neue Hoffnungen, neue Kunden, manche Erfolge und auch Enttäuschungen, die mich stets der Realität nahegebracht haben.
Mittlerweile war "Lakewood" geboren. Die Werkstatt hatte sich ganz auf Westerngitarren konzentriert. Zunächst wurden ausschließlich "Dreadnought"-Gitarren gebaut. Es begann mit der D-14 und endete mit der D-54. Es gab einige Optionen und das war's. Das Programm war am Anfang klein und hat sich erst in den letzten zwölf Jahren Stück um Stück erweitert.

Wenn es in den ersten fünf Jahren darum ging, eine solide und preiswerte Gitarre zu bauen, kam später der unbedingte Ehrgeiz dazu, das Erreichte zu optimieren und weiter zu entwickeln. Meine stete Ungeduld hat sicher manche Mitarbeiter im Laufe der Jahre auch genervt; sie führte aber dazu, daß Lakewood-Gitarren heute einen unverwechselbaren Klang produzieren, der von vielen Musikern(innen) geliebt wird. Stillstand und das Erreichte sichern hat mich nie gereizt. Ich wollte und will noch immer weiter voran und zugunsten des besseren das Gute riskieren.

Heute ist Lakewood eine Firma mit ca. sechzehn Mitarbeitern. Wir haben viele "Seiteneinsteiger", die auf unkonventionellem Weg zum Gitarrenbau gekommen sind. Wir stellen im Monat ca. 80-90 Instrumente her und versuchen, moderne Techniken dort einzusetzen, wo es um wichtige Qualitätskontrolle geht. Wir haben im Herbst 1998 ein modernes Lackierverfahren für Gitarren etabliert, bei dem durch UV-Bestrahlung die Trockenzeit der Lacke auf wenige Sekunden reduziert wird. Gleichzeitig bedeutet dieses System weniger Emissionen und damit eine geringere Umweltbelastung. In Europa wird dieses UV-System somit zum ersten Mal im Gitarrenbau eingesetzt. Für uns bei Lakewood bedeutet es einen weiteren Schritt in Richtung Zukunft.
Darüber hinaus setzen wir bei der Herstellung unserer Gitarren modernste CNC-Technologie ein, damit die Qualität unserer Gitarren immer weiter verbessert wird.

Ich wünsche Ihnen viel Freude an Ihrer persönlichen Lakewood-Gitarre. Meine Mitarbeiter und ich freuen und darauf, von Ihnen zu hören.

Herzlichst, Ihr Martin Seeliger

 

 

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