Javascript Menu by Deluxe-Menu.com
 
 
Adoptieren Sie eine Gitarre!

 

Sie wollen sich eine gebrauchte Gitarre kaufen ? Sie wissen nicht, ob das Instrument in Ordnung ist? Vertrauen Sie dem Eigentümer oder dem Verkäufer im Musikgeschäft ? Wie beurteilen Sie, ob Sie mit Ihrem Geld ein "Schnäppchen" oder "Sondermüll" erwerben ?

Heute möchte Ich Ihnen einen Schnellkurs in Sachen gebrauchte Akustikgitarren geben. Wenn Sie sich zwingen hier weiterzulesen, werden Sie Ihre nächste Kaufentscheidung qualifizierter treffen können. Das Lesen dauert nicht lang und kann Ihnen eine Menge Geld sparen. Wenn dem so ist, dann bitte ich um Spenden auf das Konto der Arbeitsgemeinschaft deutscher Aids-Stiftungen, Kontonr.4004, bei der Sparkasse Bonn, BLZ 380 700 59.

Was zuerst kommt...

Fragen Sie nach dem Typ der Gitarre, nach Baujahr und ehemaligem Kaufpreis. Erkundigen Sie sich, ob das Instrument schon einmal und aus welchem Grund repariert worden ist. Lassen Sie sich zeigen, was repariert worden ist. Sollte diese Instandsetzung einwandfrei ausgeführt worden sein, ist sie kein Grund, den Preis herabzuhandeln.

Gucken Sie mal...

nach dem Lack des Instruments. Kontrollieren Sie die Oberfläche auf mechanische Beschädigungen und Risse. Druckstellen und kleine Schäden sind von geringerer Bedeutung. Sie beeinträchtigen das Instrument nicht wirklich. Als Käufer sollten Sie davon absehen, diese Makel beseitigen zu lassen, da eine Aufarbeitung des Lackes mitunter sehr teuer ist.

Lackrisse hingegen sind (außer bei Schellack und alten Nitrocellulose-Lacken) durchaus problematisch. Entweder verbirgt sich unter dem Lackriß ein Riß im Holz oder der Lack ist so spröde, daß er die Bewegungen der Tonhölzer nicht mitmachen kann. Es ist Vorsicht angebracht und Sie sollten erst nach Begutachtung durch einen Fachmann(Gitarrenbauer) weiter darüber nachdenken, ob Sie sich die Gitarre wirklich zulegen sollten.

nach Decke und Boden der Gitarre. Nehmen Sie die Gitarre in die Hand und schauen längs und quer über den Gitarrenboden und die Gitarrendecke. Als das Instrument gebaut worden ist, hat sich der Hersteller einiges überlegt und den Boden des Instruments leicht kugelförmig gewölbt. Wie ein Brückenbauwerk ist der Gitarrenboden gleichmäßig stabilisiert. Diese Außenwölbung ist je nach Gitarre mal geringer, mal stärker und sollte stets gleichmäßig geformt sein. Wenn Sie also am Hals-/Korpusübergang oder in der Nähe des Endklotzes Verformungen dieser Wölbung feststellen, ist dies nicht in Ordnung.

Noch wichtiger ist die Gitarrendecke. Am Steg des Instruments ziehen je nach Saitenstärke dauerhaft zwischen 60 und 80 KG. Eigentlich kann man sich darüber wundern, daß die ganze Kiste überhaupt hält, aber schließlich muß jeder Gitarren-Hersteller dafür Sorge tragen, daß die Statik der Gitarrendecke dieser enormen Belastung standhält.

Im Innern des Instruments sind deswegen Leisten zur Stabilisierung eingesetzt. Ferner kann die Gitarrendecke, ähnlich wie der Boden, eine geringe Außenwölbung besitzen, die (siehe Boden) das Kunstwerk stabilisiert.

Was hat das mit Ihnen zu tun, fragen Sie sich. Nun sollten Sie mal quer über die Gitarrendecke peilen. Kneifen Sie das eine Auge(rechts oder links ist egal) etwas zu und nehmen die Kante der Decke ins Visier. Wenn Sie jetzt in Höhe des Gitarrensteges über die Decke gucken, denken Sie entweder:

a. alles schön gleichmäßig gerade

b. alles schön gleichmäßig etwas nach außen gewölbt

c. hinter dem Steg ist die Decke etwas nach außen gewölbt, zwischen Steg und Schalloch geringfügig nach innen geformt

d. die Decke ist Berg- und Talmäßig verformt und sieht sehr uneben aus

Wenn Sie "a-c" denken, können Sie sich schon ein bißchen auf Ihre neue gebrauchte Gitarre freuen. Wenn Sie "d" denken, haben Sie das berühmte "Dummenglück" und mal wieder Geld gespart. Sie sollten dann die Finger von der Gitarre lassen, sofern es sich bei dem Instrument nicht um eine wertvolles Instrument handelt, deren Instandsetzung Ihnen etwas Geld wert ist.

nach dem Hals der Gitarre. Statt den noch-Eigentümer der Gitarre zu fragen, ob denn der Hals verzogen ist, sollten Sie sich auf Ihr eigenes Urteil verlassen. Vielleicht bezieht der Andere die Frage auch auf sich und das gibt erfahrungsgemäß nur zwischenmenschliche Schwierigkeiten. Wie stellen Sie also fest, ob der Hals noch "in Ordnung" ist. Die Sache ist komplizierter als bei der Decke (Leser, die jetzt gelangweilt weiterblättern, empfehle ich den Bestseller "Hälse, mehr Hälse, noch mehr Hälse")

  1. Vertrauen Sie Ihrem Augenmaß und peilen an der Griffbrettkante vom Kopf in Richtung Körper der Gitarre. Bis zum Gitarrenkörper sollte der Hals gerade oder ganz leicht dem Saitenzug entsprechend nach vorn gebeugt sein. Vom Korpusrand zum Schalloch hin darf das Griffbrett leicht abfallen. Unregelmäßigkeiten, die Sie mit dem Auge erkennen, deuten auf Mängel hin, die nur mit einer Überarbeitung des Halses oder Griffbretts zu beheben sind.
  2. Messen Sie die Saitenlage. Au weia, kein Zollstock dabei ? Nun irgendwo im Musikgeschäft oder beim noch-Eigentümer sollte sich ein kleines Stahllineal auffinden lassen (zur Not tut's der Zollstock auch) und damit machen Sie sich an die Arbeit. Gemessen wird die Saitenlage stets am 12.Bund der Gitarre. Sie messen den lichten Abstand zwischen der Oberseite des Bundstäbchens und der Unterkante der Saite. Das, was zwischendurch passt, gell? Zunächst messen Sie bei der hohen e'-Saite und dann bei der tiefen E-Saite. Es steht Ihnen frei, dies auch genau umgekehrt zu machen!

Jetzt haben Sie wieder die Auswahl:

a. die Saitenlage ist bei e-1 ca. 2-2,5mm und bei E-6 2,5-3mm
b. die Saitenlage ist flacher
c. die Saitenlage ist höher

Bei "a" haben Sie ein korrekt eingestelltes Instrument in den Händen. Bei "b" sollte die Saitenlage erhöht werden, um das Anschlagen der Saiten an die Bünde zu vermeiden. Bei "c" sollte die Saitenlage verringert werden, damit Sie sich beim Spielen des Gitarre nicht die Finger verstauchen. Die angegenen Maße gelten für Saiten der Stärke "light". Bei dünneren Saiten ist eine etwas höhere; bei dickeren Saiten eine etwas geringere Saitenlage empfehlenswert. Das Einstellen der Saitenlage wird im Übrigen nicht mit dem Stahlstab des Halses sondern mit dem Verändern der Einlage im Gitarrensteg (Saitenbefestigung) vorgenommen.

Nach dem Griffbrett und den Bundstäbchen. Das Griffbrett untersuchen Sie bitte auf Spielspuren. Kleinere Dellen im Griffbrett sind unproblematisch, tiefere Spuren sind nur mit einigem Aufwand zu beseitigen.

Die Bundstäbchen des Instruments sollen frei von Riefen und Schäden sein. Oft aber finden sich auf älteren Gitarren, besonders bei Liebhabern von D-Dur und G-Dur Akkorden, Schäden an den ersten Bundstäbchen.

Eine Reparatur ist leicht möglich, sollte jedoch von einem Fachmann vorgenommen werden.

nach dem Steg, der Saitenhalterung. Viele Akustikgitarren haben zur Befestigung der Saiten im Steg kleine Holz- oder Kunststoffstecker, die schön neudeutsch auch mit Bridge-pins bezeichnet werden dürfen. Die Pins halten die Saite fest und sollten mit den Fingern oder mit Hilfe einer Zange entnommen werden können. Zwischen den Bohrungen der Pins entstehen bei älteren Gitarren manchmal feine Risse. Sehen Sie genau hin. Falls sich hier ein Riß abzeichnet, muß der Steg unbedingt repariert oder erneuert werden.

Als Nächstes kontrollieren Sie bitte, ob der Steg noch vollflächig auf der Gitarrendecke aufgeleimt ist. Wenn am unteren Ende des Steges sich eine Lücke zeigt, muß dieser Schaden zunächst behoben werden.

Im Gitarrensteg befindet sich die Stegeinlage, ein aus Kunststoff oder Knochen hergestelltes Stück, über den die Saiten in Richtung Schalloch laufen. Diese Stegeinlage sollte in die dafür vorgesehende Ausfräsung passen; d.h. nicht so lose darin stecken, daß sie durch den Saitendruck nach vorne kippt. Außerdem muß die Stegeinlage ein Stück aus dem Gitarrensteg herausragen. Dies ist aus zwei Gründen wichtig. Die Saiten müssen, um ausreichend auf die Einlage zu drücken, in einem entsprechenden Winkel über die Stegeinlage laufen. Ferner müssen Sie bei Verringerung der Saitenlage die Stegeinlage noch abschleifen lassen können. Da Sie vom Messen der Saitenlage ja immer noch Ihren Zollstock haben, messen Sie hier auch noch einmal und sind mit einem Maß von mindestens 3mm zufrieden, die die Stegeinlage aus dem Steg herausragen soll.

nach den Mechaniken. Ja, das sind die Dinger am Gitarrenkopf, mit denen man die Gitarre verstimmen kann. Sie persönlich zählen aber zu denjenigen, die eine Gitarre gut stimmen (oder stimmen lassen) können. Auf jeden Fall ärgert es Sie, wenn die Mechanik nicht einwandfrei funktioniert.

Die Mechanik muß gleichmäßig zu drehen sein. Nicht gekapselte Mechaniken brauchen eventuell etwas Öl, um wieder gängiger zu werden.

nach den Saiten. Wenn auf dem Instrument noch alte Saiten sind, dann sollten Sie sich jetzt die Zeit nehmen, einen frischen Satz Saiten aufzuziehen oder aufziehen zu lassen. Im Grunde können Sie erst dann entscheiden, ob die Gitarre so klingt, wie Sie sich es vorstellen.

nach dem Preis. Wow ! Jetzt geht's um die Wurst !! Am liebsten möchten Sie natürlich nur ganz wenig für die gebrauchte Gitarre bezahlen. Vielleicht ist das Instrument ja für einen handfesten Ehekrach verantwortlich gewesen und lauert jetzt nur darauf, Ihnen ein ähnliches Schicksal zu bescheren. Aber jemand Anderes möchte Ihnen noch eine Stange Geld für die Gitarre abnehmen und ich muß sagen "Recht hat er!".

Nachdem Sie also recht sicher sind, daß das Instrument in gutem Zustand ist, schön klingt und auch sonst Ihr Dasein bereichern wird, handeln Sie den Preis aus.

Als Orentierung darf der ursprüngliche Kaufpreis dienen. Für eine gut erhaltene Gitarre können Sie nach einem Jahr 25% des Originalpreises, für jedes weitere Jahr wieder 5-10% abziehen. Nun hat das natürlich auch einmal sein Ende. Bei 50% des Neupreises ist in der Regel Schluß. Schließlich stellt ein Musikinstrument einen bleibenden Wert dar. Ausnahmen von dieser groben Regel bilden nur beschädigte Instrumente, bei denen je nach Reparaturaufwand der Verkaufspreis erheblich geringer sein kann und exquisite, viel gesuchte Gitarren, die gebraucht mitunter genauso teuer oder teurer als neu sind.

Schließlich ist auch die Herkunft des Instruments von Bedeutung. Gitarren einiger Hersteller erzielen bessere Verkaufspreise als Instrumente unbeachteter Werkstätten. Wenn Sie also ein Instrument kaufen möchten, und eine Expertise dafür brauchen, wenden Sie sich an einen Gitarren-Fachmann, der Ihnen Auskunft geben oder diese vermitteln kann.

Nachdem Sie mit mir so lang durchgehalten haben, entlasse ich Sie mit meinen besten Wünschen für Sie und alles Gute, das Sie sich vorgenommen haben. Bleiben Sie der Gitarre treu, ob neu oder gebraucht. Für Sie bin jederzeit über Fax:0641-491398 oder E-mail info@lakewood.de zu erreichen.

Herzliche Grüße, Ihr Martin Seeliger

- zurück -

 

 

© Copyright 2002-2010 by Lakewood Guitars GmbH & Co. KG
www.lakewood.de - info@lakewood.de
sitemap - impressum
Lakewood is a registered trademark - all rights reserved